Förderschule zu Besuch auf dem Biohof Scherm.

Am Freitag tauschte die Klasse 4/5 G des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Regen das Klassenzimmer gegen den Schweinestall. Im Rahmen des Programms „Erlebnis Bauernhof“ vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten besuchte die Klasse den Biohof der Landwirte Ludwig und Max Scherm in Höllmannsried, um den Weg „vom Ferkel zum Schnitzel“ nachvollziehen zu können.

Erlebnis Bauernhof

Das Programm "Erlebnis Bauernhof" ermöglicht Schulkindern in Bayern die Teilnahme an einem kostenfreien Lernprogramm auf einem Bauernhof. Seit dem Start 2012 haben rund 280.000 Schulkinder einen Bauernhof im Rahmen des Programms besucht. Teilnehmen können Grundschulkinder der 2.–4. Jahrgangsstufe, Förderschulkinder aller Jahrgangsstufen, Kinder in Deutschklassen sowie Schulkinder der 5.–10. Klasse an Mittelschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien in Bayern.

Der Bauernhof ist ein idealer Ort, um mit allen Sinnen zu lernen und aktiv zu sein. Schülerinnen und Schüler erleben die Produktion unserer Lebensmittel und können Landwirtschaft, Natur und Umwelt besser begreifen.
Das Programm Erlebnis Bauernhof will dazu beitragen, Wertschätzung für Lebensmittel aus heimischer Erzeugung und ein realistischeres Bild der nachhaltigen bäuerlichen Arbeit im Bewusstsein der Gesellschaft zu erzielen. Die am Programm teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe bieten Lernprogramme an, die die im LehrplanPLUS geforderten Kompetenzen bei Schulkindern stärken.

Zunächst begrüßten die beiden Hofhunde und Max Scherm die Schüler. Scherm erzählte kurz von seinem Hof und den Besonderheiten der biologischen Landwirtschaft. Auf seinem Nebenerwerbshof hält er in einem Außenklimastall zwischen 50 und 120 Schweine der alten Landrasse Schwäbisch Hällisches Landschwein. Es handelt sich hierbei um eine gefährdete Haustierrasse. Die Tiere leben wie in der Natur im normalen Temperaturbereich der Jahreszeiten, lediglich durch ein Dach über dem Kopf geschützt gegen die Witterungsverhältnisse.

Natürlich trugen die Schülerinnen und Schüler beim Ausflug eine Mund-Nasen-Bedeckung. Aber das war nicht alles! Corona wäre für die Schweine wohl kein Problem. Allerdings haben die Vierbeiner zurzeit mit einem anderen Virus zu kämpfen: Der afrikanischen Schweinepest (ASP). Bei der Afrikanischen Schweinepest handelt es sich um eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft und für diese tödlich ist. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar. Die ASP tritt seit 2014 in verschiedenen Ländern der EU auf. Diese für Schweine und Wildschweine sehr bedeutsame Tierseuche verbreitet sich - ausgehend von östlich an die EU angrenzenden Ländern - zusehends in Europa. Am 31. Oktober wurde die ASP bei einem gesund erlegten Wildschwein in Sachsen nachgewiesen.

Daher mussten vor dem Besuch im Schweinestall besondere Maßnahmen getroffen werden. Neben einem Ganzkörperoverall bekamen auch die Schuhe einen Überzug.

Sicher verpackt ging es gutgelaunt in Richtung Schweinestall. Vor der Stalltür hatte Max Scherm die Futtermittel auf einem Tisch aufgebaut. Unter anderem bekommen seine Schweine Hafer, Weizen und Senf zu fressen, außerdem Brotabfälle einer Biobäckerei. So werden überproduzierte Lebensmittel nicht weggeschmissen, sondern dienen zumindest noch als Schweinefutter. Scherm erklärte, dass seine Schweine nicht schon nach einem halben Jahr schlachtreif sind, sondern nach zwölf Monaten. Das Futter sei weniger intensiv und daher wachsen die Schweine langsamer. Nebenbei watschelte noch eine Gruppe Gänse über den Hof und zwei Katzen statteten der Gruppe einen Besuch ab.

Als sich schließlich die Tür zum Schweinestall öffnete, waren die Kinder überrascht. „Die stinken ja fast gar nicht!“ Zahlreiche Ferkel rennen zwischen den Muttersauen Olga, Schrumpel und ihren Kolleginnen umher, schlafen oder streiten sich um den besten Platz an den Zitzen. Nebenan sind die älteren Ferkel und wühlen im tiefen Einstreu. Max Scherm zeigt den Schülern die Ferkel „auf Augenhöhe“ und sie können sich auch die typische Färbung der Schwäbisch Hällschen Landschweine anschauen. Kopf, Hals und Hinterbeine der Tiere sind schwarz, Vorderbeine, Körper und Schwanzspitze sind nicht pigmentiert. Und eine Sau kann bis zu 250 kg schwer werden! Bei den kleinen Ferkeln kaum zu glauben, aber die Muttersauen sind der Beweis. Auch Ziegen und Schafe hat Scherm auf seinem Hof. Und dann wartet noch eine Besonderheit auf die Schüler. Scherm hält seine Tiere nicht nur in seinem halboffenen Stall, sondern hat auch Jungeber auf einer Ackerfläche stehen. Nach einem kurzen Fußmarsch konnten sich die Schüler einen Eindruck von den Ebern in Freilandhaltung machen. Umgeben von zwei Stromzäunen (wegen der ASP) sind die Tiere bei Wind und Wetter draußen und helfen so dabei, den Getreideacker von Unkräutern zu befreien und zu düngen. Dass die niedlichen Tiere nach dem Schlachten dann irgendwann als Schnitzel auf unseren Tellern landen, wollte sich am Ende des Besuchs dann aber keiner so wirklich vorstellen. Trotzdem war allen klar, dass es den Schweinen auf dem Scherm-Hof zu Lebzeiten sehr gut geht – besser, als so manchen Tieren in konventioneller Haltung auf Vollspaltenböden.

„Bei Herrn Scherm wäre ich gerne ein Schwein, die haben es echt gut und sehen glücklich aus“, sagte Leon zum Abschied.

 

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